Gartenlexikon
Alle Fachbegriffe, die auf dieser Seite vorkommen — erklärt für Leute, die noch nie gegärtnert haben.
Die vier Arbeitsschritte
- Vorziehen (Vorkultur)Die vier Arbeitsschritte
Drinnen auf der Fensterbank aussäen, lange bevor es draußen warm genug ist.
Wärmeliebende Arten wie Tomate, Paprika oder Basilikum brauchen mehr Sommer, als das deutsche Klima hergibt. Man sät sie deshalb ab Februar oder März drinnen im Topf an und gewinnt so sechs bis zehn Wochen Saison. Ins Beet kommen sie erst viel später.
- DirektsaatDie vier Arbeitsschritte
Der Samen kommt direkt an seinen endgültigen Platz ins Beet.
Kein Umweg über den Topf. Möhren, Radieschen, Bohnen, Dill und Spinat wollen es so — sie bilden eine empfindliche Pfahlwurzel und vertragen das Umpflanzen schlecht. Dafür muss man warten, bis der Boden warm genug ist.
- Pflanzen (Auspflanzen und Stecken)Die vier Arbeitsschritte
Etwas Fertiges kommt ins Beet: Jungpflanze, Zehe, Steckzwiebel oder Knolle.
Meist zieht die vorgezogene Jungpflanze aus dem Topf ins Beet um — der heikelste Moment im Gartenjahr, bei frostempfindlichen Arten frühestens nach den Eisheiligen. Manches wird aber nie gesät: Knoblauch kommt als einzelne Zehe in die Erde, Zwiebeln und Schalotten als Steckzwiebeln, Kartoffeln und Topinambur als Knollen, Estragon als Wurzelteilung. Bei diesen Arten gibt es deshalb gar keine Aussaat, sondern nur diesen einen Termin.
- ErnteDie vier Arbeitsschritte
Der Zeitraum, in dem etwas zu holen ist.
Bei den meisten Arten ein Zeitraum von Wochen bis Monaten, nicht ein einzelner Termin. Manches wird laufend blattweise geerntet (Pflücksalat, Mangold, Grünkohl), anderes einmal komplett (Kopfsalat, Kürbis, Zwiebeln).
Aussaat und Jungpflanzen
- Pikieren
Keimlinge aus der Aussaatschale einzeln in eigene Töpfe setzen.
Sobald nach den beiden Keimblättern das erste Paar richtiger Blätter kommt, wird umgesetzt. Das gibt jeder Pflanze Platz für Wurzeln und ergibt kräftigere, gedrungenere Jungpflanzen statt langer dünner Triebe.
- Vereinzeln
Zu dicht aufgelaufene Sämlinge im Beet ausdünnen.
Bei Direktsaat keimt es fast immer zu dicht. Die überzähligen Sämlinge werden entfernt, damit die verbleibenden ihren vollen Abstand haben. Fällt schwer, ist aber der Unterschied zwischen fingerdicken und bleistiftdünnen Möhren.
- Abhärten
Jungpflanzen vor dem Auspflanzen ans Freiland gewöhnen.
Etwa eine Woche vor dem Auspflanzen stellt man die Töpfe tagsüber ins Freie und abends wieder herein. Ohne diese Gewöhnung an Wind, Sonne und Temperaturschwankungen bekommen die Pflanzen einen Schock und stehen wochenlang still.
- Lichtkeimer
Samen, die nur mit Licht keimen — nicht mit Erde bedecken.
Salat, Sellerie, Basilikum, Thymian und Oregano werden nur angedrückt, nicht zugedeckt. In dieser App steht bei ihnen 0 cm Saattiefe. Dunkelkeimer wie Kürbis oder Bohne wollen umgekehrt zuverlässig zugedeckt sein.
- Saattiefe
Wie tief der Samen unter die Erde kommt.
Faustregel: etwa doppelt so tief wie der Samen dick ist. Zu tief gesät läuft nicht auf, weil der Keimling die Kraft nicht bis zum Licht hat. 0 cm bedeutet Lichtkeimer.
- Pflanz- und Reihenabstand
Abstand in der Reihe und zwischen den Reihen.
Zu eng gepflanzt gibt kleine Früchte und begünstigt Pilzbefall, weil das Laub nach Regen nicht abtrocknet. Der Reihenabstand ist auch schlicht der Platz, den man selbst zum Hacken und Ernten braucht.
Zeit und Klima
- Eisheiligen
Die Tage vom 11. bis 15. Mai — die Frostgrenze im deutschen Gartenjahr.
Eine alte Bauernregel, die sich erstaunlich gut hält: erst danach gilt das Spätfrostrisiko als weitgehend vorbei. Alle Freilandtermine für frostempfindliche Arten orientieren sich daran, und die Klimazonen dieser App verschieben genau diese Grenze um ±14 Tage.
- Klimazone (mild / mittel / rau)
Die drei Zonen, mit denen diese App deine Termine verschiebt.
Zwischen dem Oberrheingraben und dem Erzgebirge liegen rund vier Wochen Vegetationszeit. „Mild" rechnet zwei Wochen früher als der Durchschnitt, „rau" zwei Wochen später. Das Bundesland liefert nur einen Vorschlag — Höhenlagen sind später dran als das Flachland nebenan, deshalb kannst du die Zone immer selbst umstellen.
- Winterhart und frostempfindlich
Wie viel Kälte eine Art verträgt.
Winterhart heißt: bleibt den Winter über im Beet und wird durch Frost oft sogar süßer (Grünkohl, Pastinake, Feldsalat, Rosenkohl). Bedingt winterhart verträgt leichte Minusgrade. Frostempfindlich heißt: eine Nacht unter null Grad, und die Pflanze ist hinüber.
- Schossen (Schießen)
Die Pflanze schaltet auf Blüte um und wird ungenießbar.
Statt weiter Blätter zu bilden, schiebt die Pflanze einen Blütenstand hoch. Salat, Spinat, Rucola und Koriander werden dabei bitter und zäh. Ausgelöst wird es von Hitze und langen Tagen — genau deshalb haben diese Arten in dieser App ein Frühjahrs- und ein Herbstfenster mit einer Lücke im Hochsommer.
- Einjährig und mehrjährig
Ob die Pflanze nach einer Saison verschwindet oder wiederkommt.
Einjährige werden jedes Jahr neu gesät. Mehrjährige wie Schnittlauch, Thymian, Salbei, Minze oder Liebstöckel treiben im Frühjahr von selbst wieder aus — sie brauchen einen festen Platz, den man nicht jedes Jahr umgräbt.
Pflege und Beet
- Anhäufeln
Erde an den Fuß der Pflanze ziehen.
Vor allem bei Kartoffeln: sobald das Kraut etwa 20 cm hoch steht, häuft man Erde an. Knollen, die ans Licht kommen, werden grün und sind dann nicht mehr essbar. Nebenbei gibt es Standfestigkeit und mehr Wurzelraum.
- Mulchen
Den Boden mit Rasenschnitt, Stroh oder Laub bedecken.
Eine Schicht organisches Material auf dem Beet hält Feuchtigkeit im Boden, bremst Unkraut und schützt das Bodenleben vor praller Sonne. Nicht direkt an junge Stängel legen, sonst fault es dort.
- Mischkultur
Arten nebeneinander setzen, die sich gegenseitig guttun.
Der Klassiker ist Möhre neben Zwiebel: der Geruch der einen lenkt den Schädling der anderen ab. Auch Bohnenkraut zwischen Bohnen oder Basilikum zwischen Tomaten sind übliche Kombinationen.
- Fruchtfolge
Nicht zwei Jahre hintereinander dieselbe Familie ins selbe Beet.
Sonst reichern sich bodenbürtige Erreger an. Bei Kohlgewächsen ist das die Kohlhernie, die jahrelang im Boden bleibt — und Steckrübe zählt botanisch dazu, auch wenn sie wie eine Rübe aussieht. Faustregel: drei bis vier Jahre Pause.
- Stark-, Mittel- und Schwachzehrer
Wie viel Nährstoffe eine Art aus dem Boden zieht.
Starkzehrer wie Kohl, Tomate, Kürbis und Kartoffel wollen gut versorgten Boden. Schwachzehrer wie Kräuter, Feldsalat und Bohnen kommen mit wenig aus. Die übliche Reihenfolge im Beet ist Starkzehrer, dann Mittelzehrer, dann Schwachzehrer.
- Gartenvlies
Dünnes weißes Tuch über dem Beet.
Lässt Licht, Luft und Wasser durch, hält aber ein paar Grad Frost ab und sperrt Gemüsefliegen aus. Damit lässt sich die Saison an beiden Enden um zwei bis drei Wochen verlängern — und bei Möhre und Kohl spart es den größten Ärger.