Kräuter
Estragon
Artemisia dracunculus
Zeiten für deine Region
Vorschlag: Mittel · Im Lexikon erklärt
Wird nicht gesät — Wurzelteilung oder gekaufte Pflanze kommen direkt ins Beet.
PflanzenAnfang Mai – Mitte Juni
ErnteMitte Mai – Ende September
Praxistipp
Nur der französische Estragon schmeckt wirklich, und der lässt sich nicht aus Samen ziehen — als Pflanze oder Wurzelteilung kaufen.
Herkunft & Geschichte
Estragon stammt aus Südrussland, Zentralasien und Sibirien und kam im Mittelalter über den arabischen Raum in die Mittelmeerküche, wo ihn vor allem Frankreich zu einem seiner wichtigsten Küchenkräuter machte — ohne ihn keine Sauce béarnaise. Botanisch gehört er zur Gattung Beifuß und ist damit mit Wermut und Gemeinem Beifuß verwandt, ein für ein Küchenkraut ungewöhnlicher Verwandtenkreis. Der Artname dracunculus heißt „kleiner Drache“ und geht auf die geringelten, schlangenartig gewundenen Wurzeln zurück.
Sorten
Unter dem Namen Estragon werden zwei sehr verschiedene Pflanzen verkauft. Der Französische Estragon duftet fein und deutlich nach Anis, bildet aber keine keimfähigen Samen — jede Estragon-Samentüte enthält deshalb zwangsläufig den Russischen Estragon, der gröber und noch etwas winterhärter ist, aber fast nach nichts schmeckt. Beim Kauf hilft nur die Nase: an einem Blatt reiben, der Französische riecht sofort intensiv, der Russische bleibt grasig.
Pflege
Estragon will es warm, sonnig und vor allem durchlässig; gedüngt wird sparsam, fetter Boden geht auf Kosten des Aromas. Über den Sommer regelmäßig die Triebspitzen schneiden, sonst fällt der Horst auseinander und verholzt von unten; ein kräftiger Schnitt Ende Juni bringt einen zweiten, zarten Austrieb. Im Herbst auf eine Handbreit zurückschneiden und in rauen Lagen mit Laub oder Reisig abdecken — im Kübel gezogen kann er einfach an eine geschützte Hauswand rücken.
Was schiefgehen kann
Nicht die Kälte bringt ihn um, sondern Winternässe: auf schwerem Boden fault der Wurzelstock, ein erhöhtes, sandiges Beet mit etwas Splitt ist die beste Vorsorge. Im Frühjahr treibt Estragon spät aus, oft erst im Mai — die Stelle also markieren und nicht voreilig umgraben, weil dort scheinbar nichts kommt. Ältere Horste verkahlen von innen und verlieren an Geschmack; alle drei bis vier Jahre im Frühjahr teilen und die kräftigen Außenstücke neu setzen. In dichten, alten Beständen zeigt sich im Spätsommer Mehltau — kräftig zurückschneiden, weiter auseinanderpflanzen und morgens am Boden gießen.
Ernte, Lagerung & Küche
Geschnitten werden junge Triebspitzen, am besten vor der Blüte — danach wird das Laub dünn und bitter, also lieber regelmäßig ernten. Trocknen lohnt sich nicht, das Aroma verfliegt fast vollständig; gehackt einfrieren funktioniert gut, klassisch sind ganze Zweige in Weißweinessig für den Winter. In der Küche gehört er an Sauce béarnaise und Senfsaucen, an Huhn, Fisch und Eier und in eingelegte Gurken — immer erst gegen Ende der Garzeit zugeben.
Alle Zeiten sind Richtwerte für das jeweilige Klima, keine Garantie. Wetter, Lage und Sorte entscheiden mit.