Kohlgewächse
Grünkohl
Brassica oleracea var. sabellica
Zeiten für deine Region
Vorschlag: Mittel · Im Lexikon erklärt
VorziehenAnfang Mai – Anfang Juni
PflanzenMitte Juni – Mitte Juli
ErnteMitte Oktober – Ende Februar
Praxistipp
Steht den ganzen Winter im Beet und wird laufend blattweise geerntet — je kälter, desto milder.
Herkunft & Geschichte
Grünkohl steht dem Wildkohl der europäischen Atlantikküste am nächsten — er bildet keinen Kopf und ist damit die ursprünglichste Form des Gemüsekohls; schon Griechen und Römer bauten solche kopflosen Kohle an. In Norddeutschland ist er bis heute ein Winterritual: Kohlfahrten und Grünkohlessen mit Kohlkönig gehören zur Saison zwischen November und Februar. Regional heißt er auch Braunkohl, Krauskohl oder „Oldenburger Palme“.
Sorten
Die klassischen deutschen Sorten sind stark gekrauste, halbhohe Typen wie „Halbhoher Grüner Krauser“ oder „Lerchenzunge“ — winterhart und ertragreich über Monate. Palmkohl (Schwarzkohl, „Nero di Toscana“) hat lange, dunkle, blasige Blätter, schmeckt milder und wird schon ab dem Spätsommer blattweise geerntet, ist dafür etwas weniger frosthart. Grünkohl ist meist samenfest; wer selbst Saatgut ziehen will, lässt eine Pflanze im zweiten Jahr blühen — sie kreuzt allerdings mit jedem anderen Brassica-oleracea-Kohl in der Nachbarschaft.
Pflege
Grünkohl wird spät gepflanzt und muss die ersten Wochen bei sommerlicher Hitze regelmäßig gewässert werden — danach kommt er weitgehend allein zurecht. Halbhohe Sorten werden im Herbst kopflastig und kippen im Sturm um: im September anhäufeln oder einen Stab dazustellen. Die unteren, vergilbenden Blätter laufend abbrechen, damit sie nicht am Stamm verfaulen; die Herzblätter in der Spitze bleiben stehen, aus ihnen kommt der Nachtrieb.
Was schiefgehen kann
An jungen Pflanzen im Frühsommer machen Erdflöhe die typischen kleinen Löcher — sie mögen es trocken und warm, deshalb helfen gleichmäßiges Wässern, Mulchen und ein Netz über der Jungpflanzenreihe. Ab dem Hochsommer sind es die Raupen von Kohlweißling und Kohlmotte; unter einem engmaschigen Netz ab dem Pflanztag bleibt der Kohl sauber, sonst hilft nur wöchentliches Absammeln von Eigelegen und Raupen an der Blattunterseite. Graue Kolonien der Mehligen Kohlblattlaus sitzen im Herzen der Pflanze: befallene Triebspitzen ausbrechen und die abgeernteten Strünke im Frühjahr entfernen, sonst überwintern die Läuse dort.
Ernte, Lagerung & Küche
Immer nur die unteren, ausgewachsenen Blätter abbrechen und die Spitze stehen lassen — dann treibt die Pflanze bis ins Frühjahr nach. Die zähe Mittelrippe zieht man vor dem Kochen heraus, sie bleibt auch nach einer Stunde faserig; blanchiert und portionsweise eingefroren hält Grünkohl problemlos bis zum Sommer. Ab März schießt die Pflanze, und die zarten Blütentriebe lassen sich noch wie Brokkoli garen.
Alle Zeiten sind Richtwerte für das jeweilige Klima, keine Garantie. Wetter, Lage und Sorte entscheiden mit.