Wurzelgemüse
Kartoffel
Solanum tuberosum
Zeiten für deine Region
Vorschlag: Mittel · Im Lexikon erklärt
Wird nicht gesät — Knollen kommen direkt ins Beet.
PflanzenAnfang April – Anfang Mai
ErnteEnde Juni – Anfang Oktober
Praxistipp
Anhäufeln, sobald das Kraut 20 cm hoch steht — Knollen, die ans Licht kommen, werden grün und sind nicht mehr essbar.
Herkunft & Geschichte
Die Kartoffel stammt aus den Anden, wo sie seit Jahrtausenden angebaut wird, und kam Mitte des 16. Jahrhunderts als botanische Rarität nach Europa — gegessen wurde sie erst sehr viel später. In Preußen setzte Friedrich II. sie ab 1756 mit den sogenannten Kartoffelbefehlen als Feldfrucht durch. Fast alle europäischen Sorten gehen auf eine sehr schmale Auswahl früher Einfuhren zurück; deshalb traf die Kraut- und Knollenfäule den Kontinent in den 1840er Jahren so hart.
Sorten
Beim Pflanzgut zählen zwei Achsen: die Reifegruppe von sehr früh bis spät und der Kochtyp — festkochend wie ‚Linda‘ oder ‚Sieglinde‘ für Salat und Bratkartoffeln, mehligkochend wie ‚Adretta‘ für Püree und Klöße. Nimm zertifizierte Pflanzkartoffeln statt Speiseware aus dem Supermarkt: die ist oft keimhemmend behandelt und kann Viren mitbringen. Frühe Sorten sind in nassen Sommern im Vorteil, weil sie abgeerntet sind, bevor die Krautfäule richtig loslegt; daneben gibt es ausdrücklich krautfäuletolerante Sorten wie ‚Bionica‘ oder ‚Toluca‘.
Pflege
Vier bis sechs Wochen vor dem Legen die Knollen hell und kühl bei 10 bis 15 °C vorkeimen lassen — kurze, grüne Keime, keine langen weißen Fäden; das bringt zwei bis drei Wochen Vorsprung. Spätfröste im Mai schwärzen das junge Kraut, deshalb bei Frostwarnung Vlies auflegen oder Erde über die Triebe ziehen. Die entscheidende Phase für den Ertrag ist die Blüte: bleibt es dann trocken, setzt die Pflanze nur wenige kleine Knollen an. Mit Stickstoff sparsam sein, sonst wächst viel Kraut und wenig darunter.
Was schiefgehen kann
Der Kartoffelkäfer und seine roten Larven werden abgesammelt — die orangefarbenen Eigelege sitzen an der Blattunterseite, wer sie zweimal pro Woche abstreift, hat den Befall im Griff. Kraut- und Knollenfäule zeigt sich nach nassen Wochen als braune Blattflecken mit hellem Rand; ist das Kraut hinüber, schneidest du es dicht über dem Boden ab und wartest zwei bis drei Wochen mit dem Roden, damit die Sporen absterben und die Schalen fest werden. Schorf — raue, korkige Flecken auf der Schale — kommt von trockenem, frisch gekalktem Boden und ist nur ein Schönheitsfehler. Kartoffeln, Tomaten und Auberginen frühestens nach drei bis vier Jahren wieder aufs selbe Beet.
Ernte, Lagerung & Küche
Frühkartoffeln nimmt man ab der Blüte heraus; lässt sich die Schale mit dem Daumen abreiben, sind sie noch nicht lagerfähig und sollten bald auf den Teller. Lagerware wird erst geerntet, wenn das Kraut abgestorben ist, ein paar Stunden auf dem Beet abgetrocknet und ungewaschen eingelagert — die anhaftende Erde schützt besser als jedes Waschen. Am besten dunkel und luftig bei 4 bis 8 °C, aber nicht im Kühlschrank: dort wandelt sich Stärke in Zucker um, die Kartoffeln schmecken süßlich und werden beim Braten dunkel. Äpfel gehören nicht in denselben Raum, ihr Reifegas lässt die Knollen früher austreiben.
Alle Zeiten sind Richtwerte für das jeweilige Klima, keine Garantie. Wetter, Lage und Sorte entscheiden mit.