Kräuter
Kerbel
Anthriscus cerefolium
Zeiten für deine Region
Vorschlag: Mittel · Im Lexikon erklärt
DirektsaatMitte März – Mitte Mai und Anfang August – Anfang September
ErnteAnfang Mai – Ende Juni und Anfang September – Ende Oktober
Praxistipp
Eines der wenigen Kräuter, die den Schatten wirklich mögen. In der Sommerhitze schießt er, deshalb Frühjahr und Herbst nutzen.
Herkunft & Geschichte
Kerbel stammt aus Südosteuropa und dem Kaukasus und verbreitete sich mit den Römern über Mitteleuropa, wo er seit dem Mittelalter zum festen Bestand der Gemüsegärten gehört. In Frankreich zählt er zu den vier fines herbes neben Petersilie, Schnittlauch und Estragon, in Deutschland ist er eines der sieben Kräuter der Frankfurter Grünen Soße. Botanisch ist er ein Doldenblütler und eng mit dem Wiesenkerbel am Wegrand verwandt — der Anisgeschmack unterscheidet ihn deutlich von der Petersilie, mit der er im Beet gern verwechselt wird.
Sorten
Saatgut gibt es glattblättrig und krausblättrig: die glattblättrigen Typen sind die aromatischeren, die krausen halten sich auf dem Teller besser und sind schwerer mit anderen Doldenblütlern zu verwechseln. Alles ist samenfest, F1-Hybriden spielen hier keine Rolle. Entscheidend ist die Frische des Saatguts — wie bei allen Doldenblütlern fällt die Keimfähigkeit rasch ab, Tüten aus dem Vorjahr laufen oft nur noch lückig auf. Nicht zu verwechseln mit dem Knollenkerbel (Chaerophyllum bulbosum), der einer Wurzelernte dient und kein Blattkraut ist.
Pflege
Als Lichtkeimer wird der Samen nur angedrückt und muss bis zum Auflaufen — zwei bis drei Wochen — gleichmäßig feucht bleiben. Kerbel bildet eine Pfahlwurzel und verträgt kein Umsetzen, also immer direkt an Ort und Stelle säen und später auf etwa 10 cm vereinzeln. Ein Bestand liefert nur wenige Schnitte, bevor er in die Blüte geht; deshalb lieber alle drei bis vier Wochen eine kurze Reihe nachsäen als einmal ein großes Beet.
Was schiefgehen kann
Das eigentliche Problem ist das Schossen: Wärme, Trockenheit und lange Tage schicken ihn in die Blüte, die Blätter werden dann klein, hart und bitter. Dagegen hilft kein Trick, sondern nur der Termin — Frühjahr und Spätsommer nutzen, halbschattig stellen und in Trockenphasen wässern, bevor die Erde durchtrocknet. An den Triebspitzen setzen sich gern Blattläuse fest; die befallenen Spitzen einfach herausschneiden und den Bestand nicht zu dicht stehen lassen. Und nicht Jahr für Jahr auf dieselbe Stelle säen — Kerbel, Petersilie, Möhre und Dill gehören in dieselbe Gruppe der Fruchtfolge.
Ernte, Lagerung & Küche
Geschnitten wird der ganze junge Trieb dicht über dem Boden, solange die Blätter hellgrün und weich sind. Kerbel darf nicht mitkochen — Hitze nimmt ihm den Anisgeschmack innerhalb von Minuten, also immer erst zum Schluss über das fertige Gericht geben. Trocknen lohnt nicht, gehackt einfrieren dagegen schon; frisch ist er in Rührei, Kräuterbutter, Salaten, Kerbelsuppe und natürlich in der Grünen Soße zu Hause.
Alle Zeiten sind Richtwerte für das jeweilige Klima, keine Garantie. Wetter, Lage und Sorte entscheiden mit.