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Kräuter

Liebstöckel

Levisticum officinale

Zeiten für deine Region

Vorschlag: Mittel · Im Lexikon erklärt

Praxistipp

Eine einzige Pflanze reicht für immer — sie wird bis zu zwei Meter hoch. Sehr sparsam würzen, das Aroma dominiert sonst alles.

Herkunft & Geschichte

Liebstöckel stammt vermutlich aus Vorderasien und kam über die römische und später die klösterliche Gartenkultur nach Mitteleuropa; im St. Galler Klosterplan von etwa 820 ist er im Kräutergarten bereits eingezeichnet. Mit Liebe hat der Name nichts zu tun — er ist eine volkstümliche Umdeutung des lateinischen levisticum. Der geläufigere deutsche Name Maggikraut ist ebenso irreführend: Julius Maggis Würze schmeckt zwar ähnlich, wurde aber nie aus Liebstöckel hergestellt.

Sorten

Sorten im eigentlichen Sinn gibt es kaum — im Handel steht schlicht „Liebstöckel“, samenfest und ohne F1-Hybriden. Wer aussät, braucht frisches Saatgut aus der laufenden Saison, denn wie bei allen Doldenblütlern fällt die Keimfähigkeit rasch ab. Für den Hausgarten ist der bequemere Weg ohnehin ein getopftes Jungpflänzchen oder ein Wurzelteilstück aus einem fremden Garten; eingewachsene Horste lassen sich im Frühjahr gut teilen.

Pflege

Der Standort ist die halbe Miete: hinten ins Beet oder an den Rand, wo zwei Meter Wuchshöhe im Sommer nichts anderes beschatten, und tiefgründig, damit die Pfahlwurzel Platz hat. Im Juni erscheinen die Blütendolden — schneidet man sie samt Stängel heraus, bleibt die Pflanze bei zartem Laub statt zu verholzen. Ein kompletter Rückschnitt auf eine Handbreit im Hochsommer bringt einen zweiten, weichen Austrieb; im Frühjahr reicht eine Gabe Kompost, gegossen wird nur in längeren Trockenphasen.

Was schiefgehen kann

Wirklich schiefgehen kann wenig. In trockenen Sommern vergilbt das Laub und die Pflanze schießt früh — dann gründlich wässern und zurückschneiden statt zu düngen. Im Frühsommer sitzen oft dichte Blattlauskolonien an Trieb- und Blütenstielen; die betroffenen Spitzen abschneiden und entsorgen, der Neuaustrieb ist meist sauber. Der klassische Anfängerfehler ist der Platz: Liebstöckel steht zehn Jahre und länger, nimmt ein Umsetzen mit ausgebildeter Pfahlwurzel übel und gehört deshalb nicht in ein Beet, das jedes Jahr die Fruchtfolge wechselt.

Ernte, Lagerung & Küche

Geerntet wird von außen nach innen, junge Blätter samt Stiel, am besten vor der Blüte — danach wird das Laub grob. Getrocknet und eingefroren behält es sein Aroma sehr gut, ein Vorrat vom Sommer trägt durch den ganzen Winter. Ganze Stängel kochen in Brühen, Eintöpfen und Kartoffelsuppe mit und werden vor dem Servieren herausgenommen; auch die reifen Samen lassen sich wie ein Gewürz verwenden.

Alle Zeiten sind Richtwerte für das jeweilige Klima, keine Garantie. Wetter, Lage und Sorte entscheiden mit.