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Wurzelgemüse

Rettich

Raphanus sativus var. longipinnatus

Zeiten für deine Region

Vorschlag: Mittel · Im Lexikon erklärt

Praxistipp

Gleichmäßig gießen — wechselnd trocken und nass lässt die Knolle platzen und macht sie pelzig.

Herkunft & Geschichte

Rettich gehört zu den ältesten Gemüsen überhaupt und ist aus dem alten Ägypten, Griechenland und Rom belegt; eine eindeutige Wildform kennt man nicht, am nächsten steht ihm der bei uns als Ackerunkraut verbreitete Hederich. Die langen weißen Formen — Daikon — wurden in Ostasien gezüchtet, die runden schwarzen Winterrettiche in Europa. In Bayern gehört der spiralig geschnittene und gesalzene „Radi“ seit dem 19. Jahrhundert zur Biergartenkultur; als Ölrettich wird dieselbe Art heute großflächig als Gründüngung angebaut.

Sorten

Sommerrettiche sind weiß, länglich oder oval, in acht bis zehn Wochen erntereif und nicht lagerfähig — etwa „Münchner Bier“ oder der rosa „Ostergruß“. Winterrettiche wie „Runder Schwarzer Winter“ werden erst ab Juli gesät und halten im Keller bis ins Frühjahr. Daikon-Typen werden sehr lang und mild und brauchen entsprechend tief gelockerten, steinfreien Boden. Der Aussaatzeitraum auf der Tüte ist keine Empfehlung, sondern Bedingung: Dieselbe Sorte schosst, wenn sie zur falschen Zeit gesät wird.

Pflege

Vereinzele früh, spätestens beim ersten echten Blatt, auf 15 cm — zu eng stehende Pflanzen bilden nur Laub und einen dünnen Strunk. Der Boden sollte tief gelockert und frei von frischem Mist oder groben Kompostbrocken sein, sonst wächst die Knolle gegabelt. Eine dünne Mulchschicht ist die einfachste Art, den Boden gleichmäßig feucht zu halten, und spart Gießgänge. Hacke nur oberflächlich; dass die Knolle zur Hälfte aus dem Boden schaut, ist normal und kein Grund zum Anhäufeln.

Was schiefgehen kann

Wie alle Kreuzblütler steht Rettich in der Kohl-Fruchtfolge: nach Kohl, Radieschen oder einer Senf-Gründüngung angebaut, fördert er die Kohlhernie — vier Jahre Abstand einhalten. Erdflöhe an den Keimlingen und Maden der Kohlfliege in der Knolle hält ein feinmaschiges Kulturschutznetz ab, das vom Saattag an dicht aufliegt. Schossende Pflanzen sind fast immer eine Frage des Termins: Winterrettich vor Juli gesät blüht, statt eine Knolle zu bilden. Hohle, pelzige Knollen bedeuten schlicht, dass zu spät geerntet wurde.

Ernte, Lagerung & Küche

Sommerrettiche erntest du jung — bei 5–6 cm Durchmesser fühlt sich die Knolle schwer und fest an; wer auf Größe wartet, bekommt Watte. Winterrettich wird vor dem ersten stärkeren Frost gerodet und hält, in feuchtem Sand eingeschlagen, im kühlen Keller bis März. Die Schärfe entsteht erst beim Schneiden oder Reiben; in Scheiben geschnitten und gesalzen zieht der Rettich Wasser und schmeckt milder. Junges Laub ist essbar, wird aber schnell rau und stachelig.

Alle Zeiten sind Richtwerte für das jeweilige Klima, keine Garantie. Wetter, Lage und Sorte entscheiden mit.