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Kräuter

Rosmarin

Salvia rosmarinus

Zeiten für deine Region

Vorschlag: Mittel · Im Lexikon erklärt

Wird nicht gesät — Jungpflanzen kommen direkt ins Beet.

Praxistipp

Nur winterharte Sorten überstehen ein deutsches Winterhalbjahr im Freien zuverlässig — im Kübel gezogen kann er einfach ins kühle, helle Winterquartier.

Herkunft & Geschichte

Rosmarin wächst wild an den Küsten des Mittelmeers, oft in Sichtweite des Wassers — der lateinische Name ros marinus, „Tau des Meeres“, spielt darauf an. Botanisch heißt er erst seit 2017 Salvia rosmarinus: Genanalysen zeigten, dass er mitten in der Gattung Salbei steht, die eigene Gattung Rosmarinus wurde daraufhin aufgelöst. In Mitteleuropa blieb er jahrhundertelang eine Kübelpflanze der Kloster- und Herrschaftsgärten, weil er draußen die Winter nicht überstand.

Sorten

Bei Rosmarin entscheidet nicht der Geschmack über den Kauf, sondern die Winterhärte — die Aromaunterschiede zwischen den Sorten sind gering. Aufrecht wachsende, ausdrücklich als winterhart ausgelobte Auslesen wie „Veitshöchheim“, „Arp“ oder „Blue Winter“ halten im milden Weinbauklima und an einer geschützten Südwand am ehesten durch; die flach kriechenden Formen sind die empfindlichsten und gehören in den Topf. Aussaat lohnt kaum: Rosmarin keimt langsam und unregelmäßig, und die Sämlinge fallen sehr unterschiedlich aus — Stecklinge von einem bewährten Stock sind der sichere Weg.

Pflege

Im Beet braucht Rosmarin nach dem Anwachsen fast kein Wasser, im Kübel dagegen regelmäßig — die häufigste Todesursache ist ein einmal völlig durchgetrockneter Ballen, und zwar oft im Winterquartier, wo man das Gießen vergisst. Gedüngt wird höchstens einmal im Frühjahr sehr sparsam; viel Stickstoff treibt weiche Triebe, die als Erste erfrieren. Geschnitten wird nach der Blüte, um höchstens ein Drittel und nur ins beblätterte Holz — aus altem, kahlem Holz treibt er wie Thymian und Salbei nur widerwillig aus. Ab September bleibt die Schere weg.

Was schiefgehen kann

Erfrorener Rosmarin ist meist gar nicht erfroren, sondern vertrocknet: An sonnigen Frosttagen verdunsten die immergrünen Nadeln Wasser, das die gefrorenen Wurzeln nicht ersetzen können, und die Triebe werden von der Spitze her braun und spröde. Schattierung mit Reisig oder Vlies, eine Mulchdecke über dem Wurzelbereich und ein Kübel, der nicht direkt auf kaltem Stein steht, helfen mehr als jede Verpackung der Krone. Im Winterquartier kommen Schildläuse und Mehltau dazu, wenn es zu warm, zu dunkel und zu eng steht — heller und kühler stellen, Abstand zwischen die Pflanzen, die Tiere abstreifen und befallene Triebe herausschneiden.

Ernte, Lagerung & Küche

Geerntet werden die weichen Triebspitzen des laufenden Jahres, an einer eingewachsenen Pflanze fast das ganze Jahr über. Rosmarin ist das kräftigste dieser Kräuter: Ein Zweig reicht für einen ganzen Braten, und man nimmt ihn vor dem Servieren wieder heraus, weil die Nadeln hart bleiben. Er verträgt lange Garzeiten und gehört klassisch zu Lamm, Kartoffeln und Focaccia; die abgezupften Stiele geben brauchbare Spieße für den Grill. Weil er fast immer frisch verfügbar ist, lohnt Trocknen selten.

Alle Zeiten sind Richtwerte für das jeweilige Klima, keine Garantie. Wetter, Lage und Sorte entscheiden mit.