Baumobst
Säulenapfel
Malus domestica
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Wird nicht gesät — wurzelnackte Gehölze kommen direkt ins Beet.
Die Erntezeiten gelten für eine eingewachsene Pflanze — die erste Ernte gibt es nach 1–2 Jahren.
PflanzenMitte Oktober – Ende November
ErnteEnde August – Anfang Oktober
Praxistipp
Zwei verschiedene Dinge werden als Säulenapfel verkauft. Echte tragen das Wijcik-Gen — ‚Bolero‘, ‚Polka‘, ‚Waltz‘, ‚Rondo‘ — und wachsen wirklich als ein einziger Stamm auf etwa 2,5 Meter. Die anderen sind normale Sorten, in der Baumschule zur Säule geschnitten; sie werden wieder zum Busch, sobald niemand mehr schneidet.
Herkunft & Geschichte
Der Säulenwuchs geht auf einen einzigen Zufall zurück: 1961 fand der Obstbauer Anthony Wijcik in Kelowna in British Columbia an einem ‚McIntosh‘-Baum einen Ast, der ohne Seitentriebe senkrecht nach oben wuchs. Aus dieser Knospenmutation wurde ‚McIntosh Wijcik‘, und die englische Forschungsstation East Malling kreuzte das Merkmal in den siebziger und achtziger Jahren in eine Reihe neuer Sorten ein, die ab Ende der achtziger Jahre als Ballerina-Serie in den Handel kam. Alles, was heute wirklich säulenförmig wächst, stammt von diesem einen Ast ab.
Sorten
Über die Höhe entscheidet nicht die Sorte, sondern die Unterlage — und die steht selten groß auf dem Schild. Auf M27 bleibt der Baum bei 1,5 bis 2 Metern, braucht dafür dauerhaft einen Pfahl und darf nie austrocknen; M9 ist der übliche Kompromiss für den Kübel und geht auf 2,5 bis 3 Meter. MM106 oder eine Sämlingsunterlage sind für einen 70-Liter-Topf zu stark. Frag im Zweifel nach und nimm eine als schorftolerant ausgewiesene Auswahl. Und plan die zweite Apfelsorte gleich mit ein: Sie muss zur selben Zeit blühen, darf aber im Nachbargarten stehen — bis etwa fünfzig Meter reicht das.
Pflege
Setz den wurzelnackten Baum so, dass die Veredelungsstelle eine Handbreit über der Erde bleibt; wächst sie ein, wurzelt die Sorte darüber durch und die schwache Unterlage wirkt nicht mehr. Ein Kübel zieht im Juli drei bis fünf Liter am Tag. Dünn im Juni auf eine Frucht je Büschel aus, sonst bleiben die Äpfel klein und der Baum trägt nur noch jedes zweite Jahr. Seitentriebe kürzt du im August auf drei bis fünf Augen ein. Vor dem Winter den Topf mit Jute umwickeln, auf ein Brett an die Hauswand stellen — und an frostfreien Tagen gießen, denn die meisten Kübeläpfel vertrocknen im Februar, statt zu erfrieren.
Was schiefgehen kann
Schorf ist das Hauptthema: olivbraune Flecken auf den Blättern, verkorkte Risse auf der Schale, in nassen Frühjahren jedes Mal. Der Pilz überwintert im Falllaub, deshalb im Herbst restlos zusammenrechen und aus dem Garten schaffen; ein luftiger, von allen Seiten besonnter Stand und eine tolerante Auswahl tun den Rest. Der Apfelwickler hinterlässt ein Loch mit bröseligem Kot — Fallobst wöchentlich einsammeln und im Juni einen Ring aus Wellpappe um den Stamm legen, in dem sich die Larven verpuppen, und ihn im Herbst mitsamt Inhalt entfernen. Weißlich belegte, eingerollte Triebspitzen schneidest du im Frühjahr bis ins gesunde Holz zurück.
Ernte, Lagerung & Küche
Reif ist der Apfel, wenn er sich beim leichten Anheben und Drehen vom Fruchtspieß löst; musst du ziehen, warte eine Woche. Die Kerne sind dann braun. Rechne mit drei bis acht Kilo je Säule, verteilt auf zwei bis drei Durchgänge zwischen Ende August und Anfang Oktober. Geschmacklich sind die echten Säulensorten Mittelmaß — mäßig süß, oft etwas grobzellig; im Kuchen, als Mus oder im Saft sind sie besser aufgehoben als auf dem Teller. Lagern lassen sie sich kaum: zwei bis sechs Wochen im kühlen Keller, und jede angestoßene Frucht sortierst du vorher aus.
Alle Zeiten sind Richtwerte für das jeweilige Klima, keine Garantie. Wetter, Lage und Sorte entscheiden mit.