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Baumobst

Sauerkirsche

Prunus cerasus

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Wird nicht gesät — wurzelnackte Gehölze kommen direkt ins Beet.

Die Erntezeiten gelten für eine eingewachsene Pflanze — die erste Ernte gibt es nach 2–3 Jahren.

Praxistipp

Nimm ‚Morina‘ oder ‚Safir‘, nicht ‚Schattenmorelle‘. Die Schattenmorelle ist der weit verbreitete Klassiker und zugleich die anfälligste für die Monilia-Spitzendürre, die ganze Triebe schlagartig welken lässt — ‚Morina‘ ist genau darauf gezüchtet. Befallene Triebe weit ins gesunde Holz zurückschneiden.

Herkunft & Geschichte

Die Sauerkirsche ist keine saure Spielart der Süßkirsche, sondern eine eigene Art: eine natürliche Kreuzung aus Vogelkirsche und Steppenkirsche, entstanden vermutlich zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Über Kleinasien kam sie ins Römische Reich und mit den Klostergärten nach Mitteleuropa; in Süddeutschland und Österreich heißt sie bis heute Weichsel, nach dem slawischen Wort für die Frucht. Der Anteil der Steppenkirsche erklärt zwei Dinge, die im Garten zählen: Sie bleibt deutlich kleiner als eine Süßkirsche, und sie ist selbstfruchtbar — ein einzelner Baum trägt ohne Partner.

Sorten

Zwei Typen stehen nebeneinander: Morellen mit dunkelrotem, färbendem Saft und Amarellen mit hellem Fleisch und farblosem Saft, die milder schmecken. Aus Dresden-Pillnitz kommt eine ganze Reihe robuster Morellen — ‚Morina‘, ‚Safir‘, ‚Karneol‘ und ‚Achat‘ —, die sich im Reifetermin unterscheiden; zwei davon nebeneinander strecken die Ernte über den ganzen Juli. ‚Schattenmorelle‘ ist der Klassiker, den fast jede Baumschule führt, und zugleich die anfälligste Sorte im Sortiment. Frag beim Kauf nach der Unterlage: Nur auf Gisela 5 bleibt der Baum in einer Größe, die du noch einnetzen kannst.

Pflege

Wurzelnackte Bäume kommen von Mitte Oktober bis Ende November in den Boden, die Veredelungsstelle bleibt eine Handbreit über der Erde — sonst wurzelt das Edelreis durch und die schwache Unterlage ist wirkungslos. Gisela 5 hat wenig Halt und braucht dauerhaft einen Pfahl, dazu in den ersten drei Sommern 20 bis 30 Liter pro Woche, wenn es trocken bleibt. Geschnitten wird direkt nach der Ernte, nicht im Winter: Die Sauerkirsche trägt an den einjährigen Trieben des Vorjahrs, deshalb leitest du jedes Jahr abgetragene, kahle Peitschen auf einen jungen Seitentrieb ab. Ohne diesen Schnitt wandert die Ernte binnen weniger Jahre in die Kronenspitzen.

Was schiefgehen kann

Die Monilia-Spitzendürre dringt während der Blüte in die Narbe ein; ein kühler, nasser Mai entscheidet über das Jahr, nicht der Sommer. Beeinflussen kannst du drei Dinge: eine luftige, nicht zu dichte Krone, einen Platz, an dem Wind durchzieht statt der windstillen Ecke, und im Herbst jede eingetrocknete Fruchtmumie vom Baum holen — darin überwintern die Sporen fürs nächste Frühjahr. Der zweite Verlust sind Stare: Ein Schwarm räumt einen Baum in zwei Tagen. Ein Netz mit höchstens 2 cm Maschenweite, vor dem Umfärben über die ganze Krone gelegt und unten am Stamm geschlossen, ist die einzige verlässliche Antwort.

Ernte, Lagerung & Küche

Sauerkirschen reifen über zwei bis drei Wochen und werden in mehreren Durchgängen gepflückt; süßer werden sie nach dem Pflücken nicht mehr. Reif sind sie, wenn die Frucht bis zum Stielansatz durchgefärbt ist und der Stiel leicht abgeht — nimm ihn mit, sonst reißt die Frucht ein, verliert Saft und beginnt am Ast zu faulen. Ungewaschen halten sie zwei bis drei Tage im Kühlschrank, mehr nicht. Entsteint sind sie das Material für Grütze, Kompott, Kuchen und Konfitüre; einzeln auf einem Blech vorgefroren und erst dann abgefüllt, kleben sie später nicht zusammen. Die Säure ist dabei der Punkt: Mit Zucker gekocht bleibt Aroma stehen, wo eine Süßkirsche flach wird.

Alle Zeiten sind Richtwerte für das jeweilige Klima, keine Garantie. Wetter, Lage und Sorte entscheiden mit.