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Wird nicht gesät — Containerpflanzen kommen direkt ins Beet.

Die Erntezeiten gelten für eine eingewachsene Pflanze — die erste Ernte gibt es nach 2–3 Jahren.

Praxistipp

Nimm eine pilzwiderstandsfähige Sorte — ‚Muscat bleu‘, ‚Palatina‘, ‚Lakemont‘. Ohne Mehltauresistenz wird der Sommer zu einem Spritzprogramm, und darüber darf und will diese Seite nichts sagen. Gepflanzt wird im Frühjahr: eine junge Rebe im November nimmt Winterschaden.

Herkunft & Geschichte

Die Weinrebe wurde vor rund 8000 Jahren im Südkaukasus in Kultur genommen; an Rhein, Mosel und Donau steht sie, seit die Römer sie mitgebracht haben. Tafel- und Keltertrauben sind dieselbe Art, nur in zwei Richtungen ausgelesen: große Beeren, dünne Schale und wenig Säure auf der einen Seite, Zucker und Aroma auf der anderen. Der Einschnitt kam um 1870 mit der aus Nordamerika eingeschleppten Reblaus — seither wächst praktisch jede europäische Rebe auf amerikanischer Unterlage. Dass eine Rebe heute auch ohne Weinbauwissen im Hausgarten funktioniert, verdankt sie der Züchtung pilzwiderstandsfähiger Sorten seit den 1970er Jahren.

Sorten

Zwei Fragen entscheiden vor dem Kauf: Reifezeit und Kerne. ‚Muscat bleu‘ ist die robusteste blaue, reift ab Anfang September und schmeckt deutlich muskatig, hat aber Kerne. ‚Nero‘ ist ebenfalls blau, kernlos und ähnlich früh; ‚Palatina‘ ist gelb, muskatig und für kühlere Lagen früh genug. ‚Lakemont‘ ist kernlos und grüngelb, braucht aber die wärmste Wand, die du hast, sonst wird sie bis Ende Oktober nicht fertig. Kernlose Sorten tragen von Natur aus kleinere Beeren. Nimm eine veredelte Pflanze im Container statt eines bewurzelten Stecklings — auf eigener Wurzel steht die Rebe der Reblaus schutzlos gegenüber.

Pflege

Erzogen wird sie als Kordon: ein Stamm auf gut 80 cm, darüber ein bis zwei waagerechte Arme am Draht, aus denen das Fruchtholz senkrecht nach oben wächst. Geschnitten wird im Januar oder Februar, die vorjährigen Triebe auf ein bis zwei Augen zurück — im März blutet die Rebe wochenlang aus jeder Wunde. Im Sommer kappst du jeden Trieb vier bis fünf Blätter hinter der letzten Traube, brichst die Geiztriebe aus und nimmst ab Mitte August die Blätter direkt vor den Trauben weg. Der Fuß einer Südwand ist der trockenste Fleck im Garten: die ersten beiden Jahre durchdringend wässern, die Veredlungsstelle über Winter mit Laub abdecken, düngen nur mit Kompost im Frühjahr.

Was schiefgehen kann

Die beiden Mehltauarten sind das eigentliche Thema: Echter Mehltau legt einen mehligen Belag auf Blätter und Beeren, Falscher Mehltau zeigt ölige Flecken auf der Blattoberseite und grauen Rasen darunter. Kulturell hilft alles, was das Laub schnell abtrocknen lässt — luftiger Aufbau, konsequentes Ausgeizen, Wasser an den Boden statt über die Blätter, im Winter Falllaub und vertrocknete Beeren wegräumen. Bei einer anfälligen Sorte reicht das nicht, und mehr hat diese Seite dazu nicht zu sagen. Ab Ende August kommen Wespen und Vögel: Organzabeutel über die einzelnen Trauben wirken besser als ein Netz über den ganzen Stock, angefressene Beeren nimmst du sofort heraus.

Ernte, Lagerung & Küche

Trauben reifen nach dem Schnitt nicht nach, der Zucker steigt nur am Stock. Blaue Sorten färben zwei bis drei Wochen, bevor sie süß sind — probiere deshalb eine Beere aus der Mitte der Traube, statt nach der Farbe zu gehen. Geerntet wird die ganze Traube mit der Schere und am Stiel angefasst, sonst wischst du den blaugrauen Duftfilm ab und die Beeren werden schneller weich. Im Kühlschrank halten sie in einer offenen Tüte gut eine Woche, kühl aufgehängt etwas länger. Neben dem Frischverzehr: Saft, Gelee mit Gelierzucker, Trauben auf dem Blech unter Zwiebeln und Speck, und die jungen Blätter vom Mai lassen sich blanchiert füllen.

Alle Zeiten sind Richtwerte für das jeweilige Klima, keine Garantie. Wetter, Lage und Sorte entscheiden mit.