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Wurzelgemüse

Topinambur

Helianthus tuberosus

Zeiten für deine Region

Vorschlag: Mittel · Im Lexikon erklärt

Wird nicht gesät — Knollen kommen direkt ins Beet.

Praxistipp

Setzt sich fest und wird schnell zum Unkraut — jede vergessene Knolle treibt wieder aus. Am besten in ein abgegrenztes Eck oder einen großen Kübel.

Herkunft & Geschichte

Topinambur ist eine nordamerikanische Sonnenblumenart, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach Frankreich kam. Ihren Namen verdankt sie einem Missverständnis: Er geht auf die Tupinambá zurück, ein brasilianisches Volk, dessen Delegation 1613 in Paris für Aufsehen sorgte — mit der Herkunft der Knolle hat das nichts zu tun. In Deutschland war sie vor der Kartoffel verbreitet und wurde später vor allem als Futterpflanze angebaut; in Baden wird bis heute Branntwein daraus gebrannt.

Sorten

Wichtiger als der Ertrag ist die Knollenform: rundliche, glattschalige Sorten wie ‚Bianca‘ lassen sich in der Küche putzen, stark verzweigte Typen kosten dich jedes Mal eine halbe Stunde. Rotschalige Sorten wie ‚Violette de Rennes‘ sind länglicher und kräftiger im Geschmack. Als Pflanzgut reichen ganz normale Speiseknollen aus dem Gemüseregal — anders als bei der Kartoffel braucht es kein zertifiziertes Material, sie sollten nur fest und ungeschrumpelt sein.

Pflege

Der Pflegeaufwand ist minimal, das Problem ist die Höhe: Die Stängel werden zwei bis drei Meter hoch und kippen an windigen Standorten samt Knollen um — eine Schnur zwischen zwei Pfählen oder ein Platz an einem Zaun, wo sie nichts beschatten, löst das. In langen Trockenphasen wässern, sonst bleiben die Knollen klein und knubbelig. Im November die abgestorbenen Stängel abschneiden, aber 20 cm stehen lassen: Sonst findest du die Reihe im Winter unter dem Schnee nicht wieder.

Was schiefgehen kann

Soll ein Bestand doch weg, hilft einmaliges Ausgraben nicht: Man rodet im Frühjahr so gründlich wie möglich und hackt danach die ganze Saison jeden neuen Trieb weg, bis die Reste erschöpft sind. Wühlmäuse gehen im Winter gern an die Knollen, weil die im Boden bleiben — frische Erdhaufen neben der Reihe sind ein Warnzeichen. Echter Mehltau überzieht das Laub im Spätsommer oft weiß; weit gepflanzte Bestände mit Luft dazwischen bleiben länger grün und legen dadurch mehr an.

Ernte, Lagerung & Küche

Ab Oktober immer nur so viel ausgraben, wie du in den nächsten Tagen brauchst: Die Schale ist dünn, außerhalb der Erde schrumpeln die Knollen innerhalb einer Woche. Im Beet halten sie dagegen den ganzen Winter — bei Dauerfrost erleichtert eine Laubauflage das Graben. Gut abgebürstet muss nichts geschält werden; roh geraspelt schmecken sie nussig-süß, geröstet oder als Suppe deutlich kräftiger. Ihre Süße kommt vom Inulin statt von Stärke, weshalb sie beim Kochen nie mehlig werden.

Alle Zeiten sind Richtwerte für das jeweilige Klima, keine Garantie. Wetter, Lage und Sorte entscheiden mit.